Kinostarts


Hoffen wir, dass es bald wieder Kinostarts gibt!


Lovemobil (2019)

Erschreckende Einblicke in eine unbekannte Welt

Bild: © Elke Lehrenkrauss

Ich muss zugeben, zunächst dachte ich, ich sehe nun nur eine weitere Dokumentation über das Leid und die Hoffnungslosigkeit im Rotlichtmilieu, wie man es schon etliche Male im Fernsehen gesehen hat. Doch LOVEMOBIL macht entscheidende Dinge anders. Der Film zeigt mir den Alltag zwei junger Frauen, die in sogenannten Lovemobils an der Landstraße arbeiten. Das sind nichts anderes als Bordelle. Sie bieten sich den vorbeifahrenden Autos an, hinter ihnen der dunkle Wald, Tag und Nacht. Dann wird eine Kollegin von ihnen ermordet, von einem Freier getötet, aber es muss trotzdem einfach weitergehen.

 

LOVEMOBIL ist das, was passiert, wenn man als Filmemacher und Journalisten nicht nur mal eben für 1-2 Wochen Hallo sagt, der Quote und des Voyeurismus wegen, sondern drei lange Jahre mit den Frauen verbringt, jede Begegnung mit Zuhältern und Freiern, jede Emotion, jede Tagesform einfangen kann.

Die sich oft gleichenden Bilder, in Schnee und Sonne, sind kalkulierte Methode und zermürben den Zuschauer. Man muss mit ansehen, wie Milena und Rita im bunten Schein der Lichterketten langsam zerbrechen.

Und wenn es schon nicht die Bilder sind, die sich unbarmherzig ins Gedächtnis einbrennen, dann sind es die Geschichten, die die Frauen erzählen. Geschichten von erlebtem Missbrauch und der Hoffnung auf ein besseres Leben. Der Film gibt denen eine Stimme, die wohl sonst nie jemand hören würde und das in einer Intensität und mit einer Sensibilität, an die die einschlägigen Fernsehformate wohl nie herankommen werden.

Kaum auszuhalten, grenzüberschreitend und dabei verdammt gut: Die Dokumentation LOVEMOBIL!

 

Ab dem 5. März 2020 in ausgewählten Kinos!

 

>>> Meine Filmkritik & Interview mit der Regisseurin auf YT

 

Regie: Elke Lehrenkrauss

Kamera: Christoph Rohrscheidt

Deutschland/103 Minuten


Limbo (2020)

Der neue One-Taker aus Deutschland!

Bild: © Nordpolaris

Das deutsche Drama LIMBO überrascht auf den ersten Blick nicht unbedingt damit, dass es ohne einen einzigen Schnitt auskommt, sondern bedient sich eher weniger präsenten Gesichtern des deutschen Kinos als Protagonisten. So stellt Anna am späten Abend Ungereimtheiten in den Finanzen ihrer Firma fest und beschließt ihren Chef damit zu konfrontieren. Zeitgleich plant Carsten mit dem alten Eisen Ozzy im Hinterzimmer eines Kiosk sein letztes großes Ding, dazu braucht er nicht mehr als einen USB-Stick…

 

Unweigerlich tritt LIMBO in den Vergleich mit dem One-Taker VICTORIA von 2015, nicht nur, weil es ebenfalls im kriminellen Milieu spielt. Leider hat LIMBO in diesem Vergleich nicht wirklich eine Chance, was nicht nur daran liegt, dass er fast eine Dreiviertelstunde braucht, um in Fahrt zu kommen. Hinzu kommt, dass die schnittlose Darstellung unausweichlich Längen erzeugt, über welche die doch allzu deutschen und steifen Dialoge nicht hinweghelfen können. Jetzt kommt aber das große Aber: Hat man einmal die einzelnen Figuren für sich selber sortiert, findet man auch gefallen an der Story, die geschickt die drei Schicksale miteinander verknüpft, ohne das es zu sehr gewollt wirkt. Auch ist der Gangsterboss, welcher auf Kryptowährung umsteigen möchte, eine interessante Plotline. Und natürlich stellt sich die Frage nach den Drehbedingungen und ob nicht doch ein, zwei Schnitte stattfinden. Ich bilde mir zumindest ein zwei, drei Möglichkeiten gesehen zu haben. Mehr sollte man LIMBO aber nicht zutrauen und im Gegensatz zu VICTORA drängt sich hier die Frage auf: Ginge es nicht auch mit Schnitt?

 

Das deutsche und schnittlose Drama LIMBO! Lief ab dem 20. Februar 2020 im Kino. Noch keine Infos über einen DVD-Start...

 

>>> Meine Filmkritik auf YT

 

Regie: Tim Dünschede

Deutschland/89 Minuten